6000 Gläubige feiern großes Fest des Glaubens (Pontifikalamt des neuen Bischofs Dr. Felix Genn in Münster)

Text u. Fotos Manfred Müller
Der Paulus-Dom in Münster erwies sich am Sonntag als beeindruckende Glaubensfestung mit 4000 betenden und singenden Gästen, mit Fanfarenklängen und triumphalem Orgelspiel, welches den Dom zum Erzittern brachte. Aus der Pfarrei St. Remigius Wassenach waren knapp 50 Gäste mit einem Bus nach Münster angereist, begleitet von Herrn Pastor Bollig und einigen Interessierten aus Burgbrohl, Weiler, Kell und Wehr.

Weil der Platz nicht reichte, wurde der festliche Gottesdienst auch in die Lamberti- und die Überwasserkirche auf Großleinwände übertragen. „Unser Felix“ hatte aber dafür gesorgt, dass wir trotz des regen Andrangs noch in den Dom konnten und reservierte (Steh-)Plätze im Westchor bekamen, von wo man über das gesamte Mittelschiff relativ gut bis zum Altar sehen konnte, wenn die Sicht nicht durch unzählige Fahnen, die ebenfalls im Westchor ihren Platz gefunden hatten, verdeckt wurde.

Das fast dreistündige Pontifikalamt zur Einführung des 75. Nachfolgers des hl. Liudger, also des 76. Bischofs von Münster, war geprägt von zwei Blickrichtungen.
Zum einen nutzten die anwesenden Bischöfe wie Nuntius Jean-Claude Perisset und Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gleich mehrfach die Gelegenheit, noch einmal Alt-Bischof Reinhard Lettmann für sein 28-jähriges Wirken zu danken. Und dann galt es, dem neuen Bischof Felix Genn Mut und Zuversicht zuzusprechen. Die Gläubigen zeigten dabei ihre Zuneigung durch kräftigen Gesang und vielfachen freundlichen Applaus.

In perfekter liturgischer Regie begannen die Schola und der Chor bereits um 14.40 Uhr mit ihren Gesängen, bevor die große Prozession um Punkt 15 Uhr vom Bischofshaus kommend in die Bischofskathedrale einzog. Das erste Wort hatte der zuständige Metropolit von Köln, Kardinal Joachim Meisner. Der Bischof nehme sich ein Amt nicht, es werde ihm übertragen, so stellte Meisner klar. Wer und warum er ihm das Amt übertragen hat, das stand in der Ernennungsurkunde von Papst Benedikt XVI., die Nuntius Jean-Claude Perisset dem Dompropst Josef Alfers überreichte.

Dieser las sie vor: „Da nun die Diözese Münster, die sich sowohl durch ihr Alter als auch durch christliche Zeugnisse auszeichnet, nach dem Amtsverzicht unseres verehrten Bruders Reinhard Lettmann den Bischof entbehrt, haben wir, verehrter Bruder, an Dich gedacht!“ Bei diesem Satz mussten manche in den Bankreihen schmunzeln. Dompropst Josef Alfers zeigte die päpstliche Ernennungsurkunde sogleich den Domkapitularen, die teilweise ja auch Weihbischöfe sind. Es gab beifälliges Murmeln im Altarraum.

Alt-Bischof Reinhard Lettmann, den der Applaus freute, überreichte seinem Nachfolger den neuen Bischofsstab. Kardinal Meisner, der Felix Genn nach Essen nun schon ein zweites Mal in ein Bischofsamt einführte, nahm Felix Genn am Arm und führte ihn zur Kathedra, dem Bischofsstuhl.
Es war 15.25 Uhr, als der neue Bischof von Münster sein Bistum wortwörtlich in Besitz nahm, indem er sich auf dem Stuhl niederließ. Die Gruß- und Dankworte wurden veredelt durch die Dommusik unter Domkapellmeister An­dreas Bollendorf. Werke von Bruckner und Mendelssohn Bartholdy stiegen wie Weihrauch zum Himmel.
Nach einem festlichen Te Deum endete das Pontifikalamt mit dem nicht enden wollenden Auszug hunderter Geistlicher, der ca. 60 Bischöfe, des Domkapitels, bevor am Schluss der neue Bischof nach allen Seiten segnend den Dom verließ.
 
Wir begaben uns anschließend mit dem Bus zur Halle Münsterland, wo der abendliche Empfang stattfand. Viele Hände muss Felix Genn bei diesem Empfang schütteln, weil die mehr als 2000 Gäste natürlich alle persönlich dem neuen Bischof gratulieren wollten. Bereits bei der Ankunft in der Halle ging Felix Genn sofort auf die Gruppe der Wassenacher zu und begrüßte jeden persönlich mit Handschlag, obwohl die „Zeremonienmeister“ ständig drängten, dass der offizielle Teil der abendlichen Veranstaltung beginnen müsse.
Es war dann bereits kurz vor sieben, als der neue Bischof schließlich im Kongress-Saal eintrifft. Der 59-Jährige lächelt, ja, strahlt förmlich. Felix Genn freut sich, das ist offensichtlich. Die Strapazen des Tages sind ihm nicht anzusehen.
Vertreter der Seelsorger und Laien im Bistum Münster, der evangelischen Kirche und der Politik haben Bischof Genn einen herzlichen Empfang bereitet. Dazu waren mehrere hundert Gäste am Sonntagabend in die Halle Münsterland gekommen – so viele, dass längst nicht alle in den Kongresssaal passten.
Diesen Umstand griff der im Amt bestätigte Generalvikar Norbert Kleyboldt gleich zu Beginn auf: "Unser neuer Bischof ist sehr gefragt, das freut uns." Wenn auch nicht alle Gäste beim Pontifikalamt zur Amtseinführung direkt im Dom Platz gefunden hätten oder nun beim Empfang im Saal – Kleyboldt bat um Verständnis. Wie bei einer Familienfeier komme doch die beste Stimmung zumeist dann auf, "wenn viele gekommen sind und es in der guten Stube so richtig eng wird".
Weihbischof Franz-Josef Overbeck begrüßte den neuen Bischof im Namen der Weihbischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute, Pastoralreferentinnen und -referenten sowie im Namen aller Mitarbeiter in Seelsorge und Caritas. Das Zweite Vatikanische Konzil habe gezeigt, wie sehr sich der Bischofsdienst auszeichne "durch Brüderlichkeit und Solidarität und Mitgehen und Vorangehen", sagte Overbeck. Dies gelte vor allem für jene Frauen und Männer, die eine Sendung in der Kirche hätten.
Für die zwei Millionen Laien im Bistum sprach Margret Pernhorst, Vorsitzende des Diözesankomitees der Katholiken. Sie hatte ein Schild mit der Aufschrift "Wir sind" bei sich, um die Rolle engagierter Mitglieder von Verbänden, Räten und Gruppen zu beschreiben: "Wir sind ganz schön viele. Wir sind gespannt auf die Zeit mit Ihnen. Außerdem sind wir ganz schön verwöhnt." Pernhorst erinnerte damit an die Wertschätzung, die Bischof em. Reinhard Lettmann den Laien entgegengebracht habe. Diese seien "wild entschlossen", das gute Miteinander mit Bischof Genn fortzusetzen.

Ein zweites Schild ergänzte das erste zu dem Satz "Wir sind ein Team". Mehr noch: "Wir sind Ihr Team, lieber Herr Bischof", betonte Margret Pernhorst.
Alfred Buß, Präses der evangelischen Kirche von Westfalen, überbrachte die Segenswünsche der evangelischen Landeskirchen von Westfalen, Oldenburg und dem Rheinland. Felix Genn sei ein Bischof, der "das Trennende zwischen unseren Kirchen dem nach- und unterordnet, was uns in Christi Namen verbindet", sagte Buß. Für die protestantischen Christen sei Genns Wechsel von Essen nach Münster so, als ob "ein lieb gewordener Freund eine neue Anschrift" bekomme.
Der im Sommer scheidende Oberbürgermeister Berthold Tillmann überbrachte die Grüße der Stadt Münster, der anderen Kommunen im Bistum sowie der politisch Verantwortlichen und der Bürger. Tillmann nannte Felix Genn einen Bischof, der die Belange seiner Diözese nach innen und außen "kraftvoll vertritt". Der Oberbürgermeister wünschte dem neuen Bischof eine "glückliche Hand“, begrüßte ihn "unter Freunden" in seinem neuen Bistum.
Im Schlusswort beschrieb Bischof Genn sein Problem, dass es "nach so vielen guten Worten keine angemessene Erwiderung geben kann". Er dankte namentlich den Gästen aus seiner Wassenacher Heimat und dem Bistum Essen. Sie alle dokumentierten, "wo meine Wurzeln sind". Mit Blick auf das Ruhrbistum äußerte der Bischof die Hoffnung, "dass die Verbundenheit stärker ist als der Schmerz". Schließlich blickte Genn auf den Weg, den nun das Bistum Münster vor sich hat. Für ihn "reiche ich alle meine Kraft". Der Bischof schloss unter anhaltendem Beifall mit den Worten "Glück auf und Gottes Segen!"
Nach einer ca. 2 ½ stündigen Busfahrt kamen wir gegen 23.00 Uhr nach einem sehr beeindruckenden und sehr schönen Tag wieder zu Hause an. Wie sage eine der Mitfahrerinnen: „Vor 6 Jahren in Essen, das war eine Amtseinführung, heute das war eine Inthronisation !“
Diesen Worten ist nichts hinzuzufügen.

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letzte Änderung: 10.04.2009